Hebetechnik für Reinraum und Washdown: Was Pharmawerke wissen müssen
Pharmawerke und Lebensmittelbetriebe haben dieselben Hebeanforderungen wie jeder andere Hersteller. Der Unterschied ist, dass die Ausrüstung Anforderungen an Kontaminationskontrolle, Materialverträglichkeit und Regulierung erfüllen muss, für die Standard-Hebetechnik nicht entwickelt wurde.
Die falsche Spezifikation bedeutet nicht bestandene Audits, Risiko von Produktkontamination und teuren Austausch der Ausrüstung. So sehen die tatsächlichen Anforderungen aus.
Materialanforderungen
Edelstahl (typischerweise 304 oder 316L) ist die Mindestanforderung für jede Ausrüstung, die mit der Produktionsumgebung in Kontakt kommt. Kohlenstoffstahl mit Lack oder Pulverbeschichtung hält nicht stand. Lack blättert ab. Pulverbeschichtung platzt. Beides wird zur Partikelkontamination.
316L-Edelstahl ist Standard in pharmazeutischen und stark sauren Lebensmittelumgebungen, weil er eine höhere Korrosionsbeständigkeit bietet. 304-Edelstahl reicht für trockene Lebensmittelverarbeitung und nicht korrosive Reinraumanwendungen aus.
Auch alle Schrauben, Bolzen und Beschlagteile müssen aus Edelstahl sein. Ein einzelner Kohlenstoffstahlbolzen in einem ansonsten rostfreien System ist Startpunkt für Korrosion und ein Auditbefund.
Washdown-Schutzarten
Elektrische Komponenten – Hebezeuge, Antriebe, Steuerungen, Hängetaster – brauchen eine IP-Schutzart, die zum Reinigungsprotokoll passt. IP65 ist das Minimum für Umgebungen mit Niederdruckwasser und chemischem Sprühnebel. IP66 oder IP67 ist erforderlich, wenn Hochdruckreinigung oder Reinigung durch Eintauchen stattfindet.
Standard-Industriehebezeuge sind typischerweise mit IP40 oder IP54 bewertet. In Washdown-Umgebungen dringt Wasser in Motorwicklungen, Bremsbaugruppen und Steuergehäuse ein. Ausfallhorizont: Monate, nicht Jahre.
Besonderheiten im Reinraum
In ISO-klassifizierten Reinräumen wird die Ausrüstung selbst zur potenziellen Kontaminationsquelle. Auf diese Konstruktionsmerkmale kommt es an:
Geschlossene Schienensysteme halten Partikel zurück, die an Laufrollen entstehen – im Gegensatz zu offenen I-Trägerbahnen.
Abgedichtete Lager und nicht abrasives Rollenmaterial verhindern Partikelbildung während der Kranfahrt.
Glatte, spaltfreie Oberflächen ermöglichen vollständige Wischreinigung. Freiliegende Gewinde, offene Kanäle und strukturierte Flächen halten Rückstände fest.
Schmierstoffe müssen lebensmitteltauglich sein (NSF H1) oder durch selbstschmierende Lagerwerkstoffe ganz entfallen.
Vakuumheber in regulierten Umgebungen
Vakuumheber sind in Pharma und Lebensmittelindustrie verbreitet, um Säcke, Kisten, Fässer und Behälter ohne mechanisches Klemmen zu handhaben, das Produkt oder Verpackung beschädigen könnte. Entscheidend sind Vakuumsauger aus FDA-konformem Silikon oder Polyurethan sowie ein ölfreier Vakuumerzeuger, damit keine Druckluftkontamination entsteht.
Dokumentationsanforderungen
Regulierte Branchen verlangen Materialzertifikate, Oberflächengüte-Spezifikationen (Ra-Werte) und Schweißprüfprotokolle als Teil des Qualifizierungspakets für die Ausrüstung. Diese Dokumentation muss vor der Bestellung mit dem Hersteller bestätigt werden. Im Nachhinein ist sie schwer und manchmal gar nicht zu bekommen.
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